Filminhalt/Kritik

Punch-Drunk Love zeigt perfekt wie die klassischen Konventionen in der Moderne gelebt werden müssen – während der Hauptdarsteller Barry Egan alias Adam Sandler als Unternehmer Fuß fasst, erlebt er privat alles andere als Erfolg. Während er zu Beginn des Films, den Alltag als erfolgreicher Single versucht zu meisten, kommt zusätzlich zu den gewohnten Komplikationen noch seine eigene Familienhistorie hinzu. Die Vergangenheit mit den insgesamt sieben Schwestern prägt.

Was im Film überspitzt dargestellt wird, ist in der Realität jedoch in verminderter Form ebenfalls zu betrachten. Die Bindung zur Familie, insbesondere das Verhältnis zum Bruder oder zur Schwester, beeinflussen maßgeblich den zukünftigen Umgang mit dem Partner. Im Fall von Barry ist es das Unvermögen, sich gegen seine Schwestern durchzusetzen, was das Anstauen von Wut provoziert. Diese Ärgernisse machen es fast unmöglich, dass Barry auf normale Art und Weise Bindungen eingehen kann. Der Umgang mit Kritik ist dabei grundlegend – Partner müssen sich ergänzen und fördern, und gelegentlich sogar kritisieren. Dass man als beziehungsgeschädigter Erwachsener, Dinge macht, die kaum vorstellbar sind, wird über die gesamte Filmlänge von 94 Minuten hinweg deutlich gezeigt. So ist auch die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe zwar vollkommen verständlich, aber dies mit Hilfe der Sex Hotline zu erreichen durchaus falsch – was sinnbildlich gesehen werden kann, ist die daraus resultierende Bestrafung.

Was im Film die Erpressung ist, kann möglicherweise im normalen Leben als seelischer Druck aufgrund von Schuldgefühlen sein. Dafür zu bezahlen, dass einem jemand zuhört – das ist zwar eine effiziente und durchaus nützliche Lösung, der fahle Beigeschmack der sozialen Isolation bleibt dennoch bestehen. In Punch-Drunk Love versucht Barry sich aus seiner unschönen Situation zu befreien, wobei er zum ersten Mal aktiv wird, nachdem er und seine Freundin in einen Unfall verwickelt werden.

Daraus kann Folgendes geschlossen werden: Obschon eine von Grund auf bestehende Unfähigkeit zur sozialen Bindung besteht, wird früher oder später ein Schwellenpunkt erreicht, der quasi die eigene Stärke fördert und fordert. Wie auch bei dem Protagonist, kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich nicht mehr nur hinter den Erfolgen seines Jobs verstecken kann – nein, irgendwann muss man sich auch im Privatleben behaupten. Zu diesem Zeitpunkt nutzt man all die Stärken der eigenen Persönlichkeit, die einem vorab gar nicht mal so deutlich gewesen sind. Aufgrund dessen dass Barry sich für den geschehenen Unfall verantwortlich fühlt, übernimmt er einen Teil Mitschuld und handelt entsprechend. Ganz gleich ob man zu den Singles gehört oder liiert ist, dieser Zeitpunkt geschieht unabhängig von Partnerschaften und ist zeitlich vollkommen ungeplant.